• Sissi

Zwei Übungen um leichter Grenzen zu setzen

Mutter oder Schwiegermutter mischen sich zu sehr in dein Leben ein? Der doofe Kollege oder gar der Chef merken einfach nicht, wie ihr Verhalten dich beleidigt? Grenzen setzen und Nein sagen lässt sich trainieren und es kann sich richtig gut anfühlen.



Wie geht's dir mit Grenzen setzen? Hast du dazu ein Bild, ein Gefühl, bestimmte Erlebnisse, die du mit diesem Begriff verbindest? Denkst du dabei an deine Mutter, Schwiegermutter, Partner, Kollegin oder Chefitäten?


Ich konnte jahrelang überhaupt nichts mit diesem Thema anfangen. Was sollte das bedeuten? Wieso Grenzen? Wenn ich diesen Begriff gehört habe und versuchte darüber nachzudenken, verschwamm irgendwie alles im Kopf. Ich wurde immer verwirrter und ließ es dann sein.


Knoten im Hirn

Diese Verwirrtheit kam daher, dass ich es nie wirklich gelernt habe, meine Grenzen zu wahren und Nein zu sagen. Dieses Thema kam irgendwie in meinem Leben nicht vor. Ich war ein chronische Ja-Sagerin. Gut, mein Ja hatte viele Nuancen. Es konnte ganz begeistert klingen, aber auch sehr vage und kraftlos. Es ließ sehr viel Platz für Interpretation. Ein Versuch auf nette Weise Nein zu sagen?


Angst vor einem klaren Stopp

In Wirklichkeit hatte ich Angst davor. Ich hatte Angst vor Ablehnung, vor einem Konflikt, auch davor andere zu enttäuschen. Es fehlte mir außerdem so ein inneres Bild davon, wie ich das selbst machen würde. Es gab zu wenige gute Erfahrungen diesbezüglich in meinem Leben. Erinnerungen an ein Nein von mir, welches kein Drama auslöste, sondern akzeptiert wurde, diese fehlten. Grenzen setzen war also ein großer blinder Fleck.


Mittlerweile kann ich schon etwas mit diesem Begriff anfangen. Nicht immer schaffe ich es jedoch, klar darüber zu sein, was ich genau will und was nicht. Es ist work in progress, die Mühe lohnt sich aber :)



Wo sind meine Grenzen?

Um Grenzen setzen zu können, muss man erst einmal erkunden, wo die eigenen Grenzen liegen. Dazu hier einige Fragen. Nimm dir kurz Zeit und beantworte sie für dich.


Körperliche Begrenzungen

Wo höre ich auf und wo beginnt der andere? Ist die Haut die Grenze? Ist meine Komfortzone von einem Meter m um mich herum oder von 2 Meter der äußerste Rand von mir? In welcher Situation ist wo die Grenze (zuhause, im Büro, im Supermarkt, im Auto, im Bus)? Ab wann ist es mir zu eng? In welchen Situationen bin ich mit anderen gerne nahe, in welchen nicht?

Emotionale Grenzen

Was ist mit Worten und Emotionen? Was geht mir verbal zu weit? Was lasse ich mir zu nahe kommen? Welche Worte prallen an mir ab? Welche Gefühle von anderen lasse ich rein und welche blocke ich ab? Ist es mit Wut anders als mit Trauer?


Personen

Gibt es bestimmte Personen, die mir irgendwie immer zu nahe treten? Menschen, die mich schnell nerven? Was haben sie gemeinsam?

Zu wem kannst ich absolut nicht Nein sagen? Mit wem fällt es mir leicht? Wann sage ich automatisch Ja obwohl ich eigentlich gar nicht will? Von wem fühle ich mich des Öfteren ausgenutzt?



Muss ich mich denn abgrenzen?

Vielleicht fragst du dich wozu das überhaupt nützlich sein soll. Du musst dich natürlich nicht abgrenzen. Müssen tust du gar nichts. Aber sehr wahrscheinlich würde es dein Leben sehr erleichtern. Wie du vielleicht beim Durchlesen und Durchdenken der Fragen oben gemerkt hast, gibt es sicher viele Situationen, in denen das Abgrenzen nicht ganz rund läuft, oder?


Grenzen setzen bedeutet Klarheit schaffen

Grenzen sind nicht etwas Gemeines, womit ich andere ausschließe. Es ist ein klarer Bereich den ich aufspanne und in dem ich mich wohlfühle. Mit gut gesetzte Grenzen fühlst du dich respektiert und die anderen tun sich leichter, denn sie haben eine Orientierung, wie sie mit dir umgehen sollen.





Müssten es die anderen nicht merken, wenn sie zu weit gehen?


Jeder und jede hat andere Erfahrungen mit den Grenzen. Und aus diesem Erfahrungsschatz heraus agieren und reagieren wir.


Stell dir eine Person vor, die ganz strenge Eltern hatte. Die Grenzen waren sehr klar. Um 20:00 im Bett sein, nur 1 Stunde Fernsehen am Tag, schreien und laut sein war gänzlich verboten, keine Geburtstagsparties. Wie kam dieses Kind trotzdem zu etwas, was außerhalb dieser Grenze lag? Vielleicht konnte stundenlanges leises Weinen die Eltern erweichen. Vielleicht war es nur möglich indem das Kind einen ausgetüftelten Weg fand, sich den Wunsch selbst zu erfüllen. Vielleicht einfach mit beharrlichem Bitten und vorbildlichem Verhalten.


Stell dir nun eine Person vor, die mit sehr inkonsequenten Eltern aufwuchs oder mit Eltern, die immer alles erlaubt haben, obwohl es über deren eigenen Grenzen ging. Wie wird sich so ein Mensch heute verhalten im Gegensatz zu der Person oben? Wer wird die eigenen Grenzen besser wahrnehmen und verteidigen? Wahrscheinlich die Person, die weiß was Grenzen überhaupt sind.


Du kannst also nicht wirklich davon ausgehen, dass jemand weiß, wenn er oder sie dir zu nahe tritt. Sicher gibt es gesellschaftliche und kulturelle Normen, aber deine ganz persönlichen Grenzen solltest du idealerweise kommunizieren.


Grenzen setzen und Nein sagen lernen


Falls du nun merkst, du tust dir auch schwer mit diesem Thema und du möchtest das gerne erforschen, dann habe ich zwei Tipps für dich:


1. No Pose Video


Schau dir dieses kurze Video von Mark Walsh an. Er hat eine Video-Reihe aufgenommen, in denen man lernen kann bestimmte menschliche Qualitäten - wie Unterstützen, Hingabe, Offenheit, Inspiration - körperlich wahrzunehmen und zu verkörpern.


In einem Video geht es um das Nein. Nimm diese Position ein und spüre dann, was es mit dir macht. Kennst du dieses Gefühl von Nein, das Gefühl von Grenzen setzen im Leben? Fällt dir dazu eine Person oder irgendeine Begebenheit ein?


Das Video ist auf Englisch, aber die Sprache ist nicht so wichtig, sondern dass du dir ansiehst wie die Pose ausgeführt wird und sie dann ausprobierst und reinspürst. Es gibt bei Youtube aber auch englische Untertitel, die man sich übersetzen lassen kann -->CC Button. Es ist keine gute Übersetzung, aber immerhin gibt es sie.





2. Nein sagen üben


Übe im Alltag immer wieder nur Nein zu sagen. Nichts außer Nein.


Du sagst nicht:

  • Nein, weil ...

  • Nein, aber ...

  • Vielleicht später.

  • Gerade nicht.

  • Keine Zeit.

Ein simples und klares Nein genügt.

Beobachte wie sich das anfühlt. Ist es sehr unangenehm?


Kannst du Nein sagen, ohne eine emotionale Ladung mitzuschicken, zum Beispiel leichte Wut oder Ärger? Ohne dich danach schuldig zu fühlen?


Ändert sich das Gefühl nach dem dritten Nein? Ist es bei Unbekannten anders als bei Nahestehenden? Wie reagiert dein Gegenüber darauf?


Hier habe ich noch eine ganz gute Aufzählung mit vielen weiteren Möglichkeiten wie man das Nein-Sagen üben kann gefunden. Es gibt dort auch verschiedene Abstufungen vom Nein (Teil-Nein, Nein erst nach dem 3. Mal ärgern, uvm.)



Wenn andere zu dir Nein sagen


Noch ein letzter Punkt zum Nachdenken und erforschen: Wie gehst du mit einem Nein um? Bist du beleidigt, ignorierst du es? Versuchst du die Person zu einem Ja zu bewegen? Kannst du das Nein einfach akzeptieren ohne es persönlich zu nehmen?



Ich freue mich zu erfahren, wie es dir mit dem Grenzen setzen geht. Schreib mir!

Viel Spaß beim Erforschen.


Alles Liebe und genieße deinen Körper,

Sissi

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