• Sissi

Wenn Unfälle noch im Körper stecken

Meine Klientin und ich hatten eine erstaunliche Sitzung. Anhand der Erfahrungen mit ihr erkläre ich in diesem Blogbeitrag, wie Unfälle und Verletzungen uns lange nach dem Ereignis beeinträchtigen können und zeige Möglichkeiten, um diese tiefgehenden Auswirkungen zu ändern.




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Den eigenen Körper wieder gut wahrnehmen, um mit Stress besser umgehen zu können.


Eine Klientin kam für einigen Sitzungen zu mir mit dem Ziel, sich besser als Körper wahrzunehmen, um damit dann in stressigen Situationen nicht aus der Balance zu kommen. In ihrem Fall bedeutete das „aus der Balance kommen“ nicht mehr wahrzunehmen, was sie selbst wollte und nur mehr zu machen, was andere wollen.


Sie beschrieb zum Beispiel, dass sie bei Menschen, die eine herrische Art haben, niemals die Kraft fand, eine gegenteilige Meinung einzunehmen. Erst im Nachhinein fiel ihr auf, dass sie gerade zu etwas zugestimmt hatte, was sie eigentlich nicht wollte.

Ein Unfall als Kind


In den Sitzungen habe ich dann vorwiegend mit dem rechten Arm und der rechten Hand gearbeitet. Sie hatte als kleines Kind einen schweren Unfall. Es musste damals vieles genäht und zusammengeflickt werden. Leider konnte sie, nun nach über 30 Jahren, immer noch einige ihrer Fingerspitzen nicht fühlen, sie waren taub geblieben.


Während der Berührung der Narben und der Fingerspitzen, hatte sie in einer der Sitzungen das Gefühl, auf einem Bett festgeschnürt zu sein. Es kamen Erinnerungen an den Unfall als Kind und an die Aufnahme danach im Krankenhaus. Sie hatte das Gefühl, ihr Oberarm sei fixiert. So wie damals, als sie genäht wurde.


Sie wusste einerseits, dass sie nun bei mir auf dem Behandlungstisch lag, anderseits signalisierte ihr der Körper, dass sie in einer Gefahrensituation sei.

So als wäre ein Teil des Körpers in dieser Zeit „stecken“ geblieben.


Sie war also wie zurückversetzt in ihre Kindheit, zurück zu diesem traumatischen Erlebnis. So als wäre ein Teil des Körpers in dieser Zeit „stecken“ geblieben.


Wir haben dann gemeinsam begonnen ihren Arm zu bewegen. Sie hat zuerst nur die Schulter bewegt, dann aber mit der Zeit immer größere Bewegungen probiert. Sie bewegte sich nach und nach aus dieser Fixierung hinaus. Dabei zitterte sie immer mehr und fühlte starke Aufregung und Angst.


Durch dieses bewusste Bewegen in neue Richtungen, raus aus dieser gefühlten fixierten Position, bekam der Körper die Information, dass die Gefahr nun vorbei ist. Das ganze System machte die Erfahrung, dass nichts Schlimmes passieren wird, dass kein weiterer Schmerz droht, trotz dieser „neuen“ Bewegungen.


Das Zittern ist wichtig, es ist wie ein Abschütteln des Alten. Es ist so, als würde sich das Nervensystem neu kalibrieren. Was das Zittern genau ist, zu dem komme ich weiter unten.

Nachdem das Zittern wieder aufgehört hatte, fühlte sie, dass der Arm wieder ein Teil des Körpers war. Er war nicht mehr kleiner und jünger, so wie zu Beginn der Sitzung. Sie fühlte eine Verbindung, die vom Nacken bis zu den Fingern reichte.

Trauma loslassen

Dieses Zittern kennst du vielleicht aus brenzligen Situationen. Vielleicht hast du aus Angst schon einmal am ganzen Körper geschlottert? Was passiert nun dabei im Körper?


Die meisten Informationen über das Zittern findet man in bei der TRE-Methode. TRE steht für Tension and Trauma Releasing Exercises, also Übungen mit denen man Spannung und Trauma loslassen kann. Diese Methoden wurden von David Berceli entwickelt um traumatische Erfahrungen, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und starke Stressbelastungen heilen zu können.

Laut Berceli ziehen sich die Psoas Muskeln bei einer traumatischen Erfahrung zusammen. Diese Muskeln liegen in der Körpermitte und verbinden den Rücken mit dem Becken und den Beinen. Diese Muskeln schützen durch ihr Zusammenziehen das Herz, den Bauch und somit die anderen inneren Organe. Wenn diese Muskeln wieder loslassen um sich zu entspannen, entsteht dieses „autonome Zittern“. Das zentrale Nervensystem sagt während dieses Vorgangs dann dem Gehirn, dass die Gefahr gebannt ist. Ganz genau wie mit meiner Klientin.

TRE, sowie auch die Grinberg Methode, stellen beide fest, dass der Körper nach einem traumatischen Ereignis in einem Stresszustand steckenbleiben kann, wenn er sich nicht entlädt. Diese Entladung kann durch dieses Zittern und Schütteln erfolgen.


Ein Trauma kann körperliche, aber auch psychische Ursachen haben. Mehr darüber, was Trauma selbst ist, habe ich in diesem Blogbeitrag beschrieben.

Es gibt dazu übrigens ein ganz wunderbares Comic-Büchlein von Steve Haines namens Trauma is really strange, welches die Hintergründe und Mechanismen von traumatischen Erfahrungen im Körper erklärt. Eine Empfehlung! Die Bilder und Texte veranschaulichen was Trauma ist und was dabei im Körper passiert. Der Comic macht das auch viel besser als ich das jemals hier könnte :)


Screenshot Trauma Steve Haines

Zu kaufen gibt es das Buch auf Deutsch zum Beispiel beim Buchkontor oder ansonsten direkt beim Autor: https://bodycollege.net/trauma/



Die Klientin gewann viel mehr als ihren Arm zurück


In der darauffolgenden Sitzung erzählte die Klientin, dass der Arm immer noch spürbarer und „normal“ wahrnehmbar war. Außerdem meinte sie nun viel leichter Entscheidungen treffen zu können. Das sei ihr ganz stark aufgefallen. Sie überlegte nicht mehr ewig herum, sondern konnte in verschiedensten Situationen sehr schnell erkennen, was nun das Richtige und Passende war


Ich interpretiere das so, dass ihr Körper nun wieder mehr in Balance ist. Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, dass man sich nicht ganz, nicht vollständig fühlt, wenn ein Körperteil nicht mit dem restlichen Körper verbunden ist, oder wenn ein Körperteil kleiner wahrgenommen wird oder irgendwie unerreichbar ist. So ein Ungleichgewicht kann dann im Alltag zu allen möglichen Problemen führen.



Feuer in der Brust


Die wiedergewonnen Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, passt auch sehr gut mit der Hand und dem Arm zusammen.


In der Grinberg Methode unterteilen wir den Körper in vier Bereich: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Der Körperbereich zwischen Nacken und Bauch, inklusive der Arme und Hände, steht für den Feuer-Bereich.


Dieser Bereich steht für vieles wie zum Beispiel die Atmung, die Muskulatur, die Persönlichkeit, Selbstvertrauen, Spontanität, für Geben und Nehmen. Und er steht auch fürs Handeln und etwas in Bewegung bringen. Hier werden Entscheidungen getroffen. Wir spüren was unser Herz möchte und handeln danach.


Ein Ungleichgewicht im Feuerbereich macht die angesprochenen Fähigkeiten schwieriger ausführbar. Zum Beispiel das meine Klientin sich schwer tat ihre Meinung zu vertreten oder Entscheidungen zu treffen.



Hinhören was der Körper spricht


Natürlich weiß ich, dass wir Menschen sehr viel komplexer sind und sich nicht jeder Mensch auf vier Bereiche herunterbrechen lässt. Aber ich analysiere meine Klient*innen nicht, sondern arbeite damit, was ihr Körper spricht. Mit den Händen nehme ich Kontakt auf. Mit einem leeren Geist höre ich hin. Diese Verbindung, die in einer Sitzung zwischen uns entsteht ist so simpel und doch so tiefgehend.


Diese Art von Verbindung kann eine Schulmedizin nicht leisten, dafür ist keine Zeit und kein Platz. Darum gibt es die Körperarbeit, damit diese Lücke gefüllt wird und Menschen als Ganzes heilen können.




Was kannst du tun?


Wie du merkst, können Unfälle und unverarbeitete Traumen uns ein Leben lang beeinflussen und behindern.


Du fühlst dich oft nicht so richtig als Ganzes? Du hattest einen Unfall oder eine Operation und nun machen Wunden oder Narben noch Probleme? Du bist in deiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und verschiedene Therapien haben bisher nicht geholfen?


Gerne unterstütze ich dich in einer persönlichen Sitzung hin zu mehr Wohlbefinden. Falls du nicht in der Nähe von Wien lebst, dann schreib mir. Es gibt sicher jemanden in deiner Nähe der/die dir helfen kann.


Du könntest auch die TRE Übungen ausprobieren. Diese Übungen zielen darauf ab, dass das Zittern ausgelöst wird. Auf Youtube gibt es ziemlich viele Anleitungen dazu. Vielleicht findest du auch eine Übungsgruppe in deiner Nähe, schau dich um.

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