• Sissi

Wieso Balance im Körper wichtig ist

Aktualisiert: 11. Sept 2020

Tauche mit mir ein in die schräge Welt der Körperwahrnehmung und finde heraus wieso Balance so wichtig ist.



Im März habe ich mit dem Laufen begonnen und hatte nach kurzer Zeit Probleme mit den Knien und auch mit den Fußgelenken. Ich wollte aber nicht aufgeben, da mir das Laufen - vor allem im wunderschönen Auwald - echt Freude gemacht hat. Also entschied ich mich zu einem Sport-Therapeuten zu gehen um meine Technik begutachten zu lassen.


Schiefer Gang - schiefer Lauf

Da ich in meinem Leben drei gröbere Unfälle mit meinem rechten Fußgelenk hatte, sowie als Jugendliche extrem oft umgeknickt bin, habe ich mir einen wackeligen und leicht hinkenden Gang angewöhnt. Aus einer Schonhaltung wurde eine Standard-Haltung. (Deshalb mach' bitte nach jedem Unfall oder nach einer OP irgendeine Form von Therapie! Mir hat das früher niemand gesagt oder angeraten. Aber schon ein paar Therapie-Einheiten hätten mir viele Schmerzen und Arztbesuche erspart.)


Wenn ich nun mit meinem sehr unausbalancierten Gangbild über längere Strecken laufe, dann wirkt sich das natürlich sehr schnell sehr negativ auf die Gelenke aus. Es kommt zu viel Druck auf eine Seite und zu wenig auf die andere.


Fußgelenke trainieren

Seit zwei Wochen trainiere ich nun täglich brav meine Fußgelenke und auch meine Körpermitte. Ich baue Muskeln und Stabilität auf. Außerdem mache ich ein Lauf-Geh-Training mit nur kurzen Laufeinheiten. Weniger ist mehr! Klarerweise hat dies die Beschwerden gemindert. Aber noch etwas Interessantes ist passiert.



Sissi mit neuen türkisen Laufschuhen


Sind meine Füße gewachsen?


Es fühlt sich so an als hätte ich plötzlich Schuhgröße 45 statt 40 😃

Aber meine Schuhe passen mir noch. Ich spüre meine Füße extrem gut, auch mein Zehen. Nicht nur beim Laufen sondern eigentlich immer, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf die Beine und Füße richte. Ich fühle mich so stabil wie noch nie und habe eben noch zusätzlich das Gefühl, ganz riesige Füße zu haben.


Spannend, nicht?! Es ist so ungewohnt aber gleichzeitig total angenehm. Ich frage mich: was ist da noch alles möglich? Vielleicht fühle ich mich irgendwann einmal als wäre ich zwei Meter groß?


Ver-rückte Körperwahrnehmung

Hattest du auch schon einmal so ein Erlebnis? Vielleicht hast du einen Teil deines Körpers zurück gewonnen, vielleicht hast du gemerkt, dass dir ein Teil "fehlt"? Es ist so faszinierend, wie unser Körper mit uns kommuniziert. Wie er uns sagt, wenn etwas ganz wunderbar ist oder wenn etwas eigentlich gerade gar nicht so gut ist. Wenn wir bewusst die Aufmerksamkeit hinrichten, dann können wir wirklich tief eintauchen in verschiedensten Wahrnehmungen. Hier sind ein paar Beispiele aus meinen Sitzungen mit Klient*innen. Die Aufgabe war mit geschlossenen Augen, und ohne sich zu bewegen, wahrzunehmen wie sich bestimmte Teile des Körpers anfühlen. (Es waren immer gesunde Menschen, die medizinisch absolut ok und fit waren.)


  • Viele spüren den Brustkorb und die Hüfte, aber den Bauch nicht. So als wäre die Körpermitte nicht da.

  • Ein Bein war gefühlt wie abgetrennt und die Person spürte sogar eine Trennlinie.

  • Der Kopf fühlte sich riesig an im Gegensatz zum restlichen Körper, der war mickrig klein.

  • Eine Klientin hatte das Gefühl unter Wasser zu liegen, nur das Gesicht war an der Oberfläche.

  • Ein Arm war wie kaputt und irgendwie innerlich verklebt.

Nach den Sitzungen waren diese starken Unterschiede zwischen der Wahrnehmung der Körperbereiche jedes Mal geringer oder ganz weg. Das ist für mich ein Zeichen, dass der Körper mehr in Balance ist und die zuerst wenig spürbaren Körperbereiche besser integriert hat.


Balance wiederherstellen


Die gute Nachricht: man kann Körperbereiche wieder zurückgewinnen. Du kannst dich wieder mittig fühlen. Du kannst wieder in einen Zustand kommen, in dem die Proportion von Kopf und Körper sich richtig anfühlt, ein Stadium erreichen, in dem du dich als Ganzes fühlst. 


Wie kann es sein, dass wir Körperteile verlieren?


Das passiert einerseits, weil wir manche Körperteile nicht viel verwenden und andererseits, wenn wir durch einen äußeren Einfluss dazu gezwungen sind, beispielsweise durch einen Unfall.