• Sissi

Wieso Balance im Körper wichtig ist

Aktualisiert: Juli 1

Tauche mit mir ein in die schräge Welt der Körperwahrnehmung und finde heraus wieso Balance so wichtig ist.



Im März habe ich mit dem Laufen begonnen und hatte nach kurzer Zeit Probleme mit den Knien und auch mit den Fußgelenken. Ich wollte aber nicht aufgeben, da mir das Laufen - vor allem im wunderschönen Auwald - echt Freude gemacht hat. Also entschied ich mich zu einem Sport-Therapeuten zu gehen um meine Technik begutachten zu lassen.


Schiefer Gang - schiefer Lauf

Da ich in meinem Leben drei gröbere Unfälle mit meinem rechten Fußgelenk hatte, sowie als Jugendliche extrem oft umgeknickt bin, habe ich mir einen wackeligen und leicht hinkenden Gang angewöhnt. Aus einer Schonhaltung wurde eine Standard-Haltung. (Deshalb mach' bitte nach jedem Unfall oder nach einer OP irgendeine Form von Therapie! Mir hat das früher niemand gesagt oder angeraten. Aber schon ein paar Therapie-Einheiten hätten mir viele Schmerzen und Arztbesuche erspart.)


Wenn ich nun mit meinem sehr unausbalancierten Gangbild über längere Strecken laufe, dann wirkt sich das natürlich sehr schnell sehr negativ auf die Gelenke aus. Es kommt zu viel Druck auf eine Seite und zu wenig auf die andere.


Fußgelenke trainieren

Seit zwei Wochen trainiere ich nun täglich brav meine Fußgelenke und auch meine Körpermitte. Ich baue Muskeln und Stabilität auf. Außerdem mache ich ein Lauf-Geh-Training mit nur kurzen Laufeinheiten. Weniger ist mehr! Klarerweise hat dies die Beschwerden gemindert. Aber noch etwas Interessantes ist passiert.





Sind meine Füße gewachsen?


Es fühlt sich so an als hätte ich plötzlich Schuhgröße 45 statt 40 😃

Aber meine Schuhe passen mir noch. Ich spüre meine Füße extrem gut, auch mein Zehen. Nicht nur beim Laufen sondern eigentlich immer, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf die Beine und Füße richte. Ich fühle mich so stabil wie noch nie und habe eben noch zusätzlich das Gefühl, ganz riesige Füße zu haben.


Spannend, nicht?! Es ist so ungewohnt aber gleichzeitig total angenehm. Ich frage mich: was ist da noch alles möglich? Vielleicht fühle ich mich irgendwann einmal als wäre ich zwei Meter groß?


Ver-rückte Körperwahrnehmung

Hattest du auch schon einmal so ein Erlebnis? Vielleicht hast du einen Teil deines Körpers zurück gewonnen, vielleicht hast du gemerkt, dass dir ein Teil "fehlt"? Es ist so faszinierend, wie unser Körper mit uns kommuniziert. Wie er uns sagt, wenn etwas ganz wunderbar ist oder wenn etwas eigentlich gerade gar nicht so gut ist. Wenn wir bewusst die Aufmerksamkeit hinrichten, dann können wir wirklich tief eintauchen in verschiedensten Wahrnehmungen. Hier sind ein paar Beispiele aus meinen Sitzungen mit Klient*innen. Die Aufgabe war mit geschlossenen Augen, und ohne sich zu bewegen, wahrzunehmen wie sich bestimmte Teile des Körpers anfühlen. (Es waren immer gesunde Menschen, die medizinisch absolut ok und fit waren.)


  • Viele spüren den Brustkorb und die Hüfte, aber den Bauch nicht. So als wäre die Körpermitte nicht da.

  • Ein Bein war gefühlt wie abgetrennt und die Person spürte sogar eine Trennlinie.

  • Der Kopf fühlte sich riesig an im Gegensatz zum restlichen Körper, der war mickrig klein.

  • Eine Klientin hatte das Gefühl unter Wasser zu liegen, nur das Gesicht war an der Oberfläche.

  • Ein Arm war wie kaputt und irgendwie innerlich verklebt.

Nach den Sitzungen waren diese starken Unterschiede zwischen der Wahrnehmung der Körperbereiche jedes Mal geringer oder ganz weg. Das ist für mich ein Zeichen, dass der Körper mehr in Balance ist und die zuerst wenig spürbaren Körperbereiche besser integriert hat.


Balance wiederherstellen


Die gute Nachricht: man kann Körperbereiche wieder zurückgewinnen. Du kannst dich wieder mittig fühlen. Du kannst wieder in einen Zustand kommen indem die Proportion von Kopf und Körper sich richtig anfühlt, ein Stadium erreichen indem du dich als Ganzes fühlst. 


Wie kann es sein, dass wir Körperteile verlieren?


Das passiert einerseits, weil wir manche Körperteile nicht viel verwenden und andererseits, wenn wir durch einen äußeren Einfluss dazu gezwungen sind, beispielsweise durch einen Unfall.


Das ist übrigens meine medizinische Laienbeschreibung dazu. 😃 Mehr über Nervenzellen gibt's im wunderbaren Zeichentrick aus meiner Kindheit: "Es war einmal das Leben".



a) Wenig verwenden

Wenn wir zum Beispiel unsere linke Hand nur selten verwenden, weil wir alles mit rechts machen, dann werden links die zuständigen Nervenbahnen geschwächt. Das wird oft verglichen mit einer Autobahn im Gegensatz zu einem schmalen Weg. Wir können die Hand nicht so gut ansteuern, feine Bewegungen sind schwieriger, weil auf diesen Nervenbahnen nicht so viel los ist. Die Hand fühlt sich vielleicht schwach oder sogar nutzlos an.


Lernen wir um und verwenden die schwache Hand wieder mehr, dann benutzen wir lange nicht verwendete, "eingestaubte" Bahnen. Was für mich als ungeduldige Rechtshänderin wirklich eine Challenge ist. Ich schaffe es meistens nur kurz mit der linken Hand beispielsweise Zähne zu putzen oder das Essen umzurühren, rechts geht's einfach schneller und besser. Dort sind die Nervenbahnen einfach perfekt ausgebaut, wie eine österreichische Autobahn 😃.


Aber, wir haben ja nicht umsonst zwei Hände und 10 Finger. Alles im Körper hat seinen Sinn. Unser Körper ist unser zuhause und wie auch in einem echten Haus alles mögliche kaputt geht, sobald es nicht verwendet wird, kann das auch mit unserem Körper passieren. Hier vor allem, weil die Balance fehlt und irgendwo anders etwas ausbalanciert werden muss.

Mit geschlossenen Augen den Körper spüren: was kannst du wahrnehmen?

b) Traumatische Erlebnisse

Der zweite Grund für das Verlieren von Körperwahrnehmungen sind Unfälle und andere traumatische Erlebnisse.


Unser Körper hat die Fähigkeit eine völlig überfordernde, lebensbedrohliche Erfahrung nicht bei vollem Bewusstsein erleben zu müssen. Wir können uns also von Teilen von uns "abspalten", damit uns der Schmerz nicht überwältigt und wir noch handlungsfähig sind. Mehr darüber hab ich in meinem Blogartikel "6 Tipps wie du trotz Angst beim Zahnarzt entspannt bleibst" geschrieben.



Bringt es wirklich etwas sich besser wahrzunehmen?


Vielleicht denkst du dir: "Ja Balance ist ok, aber jeden Bereich meines Körpers wahrnehmen lernen, ist das den Aufwand wert? Was bringt's, wenn ich zB meine Hand besser spüre?"


Naja, du wirst sie dann mehr verwenden und du erhöhst dadurch deinen Handlungsspielraum. Nicht nur real, weil deine Hand dann mehr kann, sondern auch unterbewusst. Du bewegst dich natürlicher und vieles wird dir im Alltag leichter fallen. Du bist mehr in Balance, weil in deiner rechten sowie linken Körperhälfte gleichermaßen Bewegung passiert.


Dein Körper ist dir dann auch um ein Stück weniger fremd. Er wird mehr wie ein wohlig-warmes Zuhause statt eines mechanischen Gerüsts.


Innere Balance zeigt sich auch im Außen. Foto Jakub Michankow. https://www.flickr.com/photos/glowform/3779533414

Balance im Körper heißt auch Balance im Kopf.


Da ich meine Füße besser und größer wahrnehme sowie an körperlicher Stabilität dazu gewonnen habe, fühle ich mich auch psychisch stabiler. Ich habe wieder mehr Vertrauen in das was die Zukunft bringt. Ich kann es noch nicht haargenau sagen, aber wahrscheinlich werde ich weniger Angst haben oder mir weniger Sorgen machen bei kleinen oder großen Problemen des Lebens, weil ich einfach eine innere Sicherheit gewonnen habe.


Das gleiche kann sein, wenn man seinen Bauch wieder gut wahrnimmt. Der kann dann besser mit einem kommunizieren und man hat Zugang zur eigenen Intuition bei wichtigen Entscheidungen. Oder man merkt, wann man wirklich Hunger hat und wann nur einen Gusto. 😃


Gutes Wahrnehmen und sinnvolles Verwenden von Körperteilen, die wir schon länger nicht mehr in unserer Aufmerksamkeit haben, braucht Zeit und Training. Probiere es aus und verwende eine Woche lang öfter deine "schwächere" Hand beim Kochen, Aufräumen, Zähne putzen, Handy-wischen. Viel Spaß!


Alles Liebe und genieße deinen Körper,

Sissi

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